Autor: Tobias Müller – ispringen.dev
Das Mindelsee-Stipendium: 100.000 € für eine Idee, die Verwaltung entlastet
Im April 2025 endete die zwölfmonatige Förderphase des Mindelsee-Stipendiums. Memoro, die KI-gestützte App für Gesprächsdokumentation, die ich mitentwickelt habe, war einer der Gewinner. Die Auszeichnung umfasste bis zu 100.000 €, verteilt über ein Jahr, sowie ein begleitendes Mentoring durch erfahrene Unternehmer:innen der Initiative „Unternehmer für Gründer“ (UfG).
Das Stipendium richtete sich an Absolvent:innen von Hochschulen oder Berufsausbildungen im Handwerk. Memoro wurde als Lösung für administrative Entlastung in Pflege und Handwerk ausgewählt, zwei Branchen mit hohem Dokumentationsaufwand. Die Jury der UfG begründete die Entscheidung mit dem Ziel, innovative Gründungen in der Region zu fördern und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen. Die Abschlusspräsentation fand am 7. April 2025 im Rahmen eines KI-Abends der UfG statt.
Die Förderung bestand aus monatlichen Zuwendungen, Sachmittelunterstützung und Mentoring. Für mich war besonders das Mentoring wertvoll, da es half, typische Gründungsrisiken zu reduzieren. Die Jury sah in Memoro ein Projekt mit hohem Potenzial für die Region Konstanz und darüber hinaus.

Ich denke, die Auszeichnung durch das Mindelsee-Stipendium validiert das Potenzial von KI-gestützter Dokumentation als skalierbare Lösung für administrative Engpässe in regulierten Branchen. Die Kombination aus finanzieller Förderung und Mentoring durch erfahrene Unternehmer:innen beschleunigt die Markteinführung und reduziert Risiken.
„Siegfried Wagner von UfG, sagen die beiden Gründer, habe dann als Mentor enorm geholfen, aus einer Idee eine funktionierende App zu machen.“
Südkurier: „Kann das funktionieren?“ – Wie eine Zeitung unsere App hinterfragte
Am 30. April 2024 veröffentlichte der Südkurier einen Artikel über Memoro mit der Überschrift „Kann das funktionieren? Konstanzer entwickeln eine App, die zuhört, zusammenfasst, sortiert“. Der Artikel stellte die Frage, ob KI-gestützte Gesprächsdokumentation in der Praxis funktioniert, eine Skepsis, die viele Medien gegenüber neuen Technologien zeigen.
Der Artikel beschrieb Memoro als App für Handwerksbetriebe und Pflegeeinrichtungen. Ein konkretes Beispiel aus dem Pflegealltag wurde genannt: Pflegekräfte verbringen durchschnittlich acht Stunden pro Woche mit Dokumentation. Memoro könnte diesen Aufwand halbieren. Die Gründer Till Schneider und ich wurden als junge Konstanzer mit vorheriger Start-up-Erfahrung porträtiert. Der Gewinn des Mindelsee-Stipendiums wurde als externer Beleg für die Qualität der Idee gewertet.
Die DSGVO-Konformität der App wurde als zentraler Faktor für den Einsatz in sensiblen Bereichen wie der Pflege hervorgehoben. Der Artikel ordnete Memoro in den Kontext des Gründungswettbewerbs „Hack and Harvest“ 2023 ein, was die kontinuierliche Entwicklung des Projekts zeigte.
Ich denke, die skeptische Überschrift „Kann das funktionieren?“ reflektiert die typische Medienhaltung gegenüber KI-Lösungen. Die Betonung der DSGVO-Konformität im Artikel zeigt, dass Datenschutz in regulierten Branchen kein Nice-to-have, sondern ein Muss-Kriterium für Marktakzeptanz ist.
Der Südkurier zitierte mit einer einfachen Rechnung:
„Eine Pflegekraft müsse im Schnitt acht Stunden pro Woche für die Dokumentation aufwenden. Wenn Memoro das auf die Hälfte reduzieren kann, dann könnte das ein großer Erfolg werden.“
Typische Dokumentationsschritte in der Pflege, laut Artikel:
- Erfassung erbrachter Leistungen (z. B. Medikamentengabe, Mobilisation)
- Übertragung in Formulare (manuell, zeitaufwendig)
- Validierung der Daten (z. B. zur Abrechnung mit Kostenträgern)
Wirtschaft im Südwesten: 1.500 Nutzer und ein Geschäftsmodell, das überzeugt
Im Januar 2025 porträtierte die Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Memoro als innovatives Start-up aus Konstanz. Der Artikel hob Funktionen wie Sprechererkennung, Extraktion von Terminen und Aufgaben sowie die Unterstützung von 24 Sprachen hervor. Memoro wurde als DSGVO-konform beschrieben, mit Speicherung der Aufzeichnungen ausschließlich in Deutschland.
Das Team bietet individuelle Anpassungen für Unternehmen an, was die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells unterstreicht. Seit dem Start vor einem Jahr hat Memoro rund 1.500 Nutzer aus verschiedenen Branchen gewonnen. Die App ist kostenlos im Apple App Store und Google Play Store verfügbar, mit Abomodellen und speziellen Konditionen für Firmenkunden.
Ich denke, die Nutzerzahl von 1.500 nach einem Jahr zeigt, dass Memoro nicht nur technisch, sondern auch kommerziell tragfähig ist. Die Betonung der individuellen Anpassungen für Unternehmen deutet darauf hin, dass Memoro als B2B-Lösung positioniert wird, was höhere Margen und langfristige Kundenbindung ermöglicht.
Wirtschaft im Südwesten zitierte:
„Seit dem Start vor einem Jahr hat Memoro rund 1.500 Nutzer aus verschiedenen Branchen gewonnen. ‚Unsere Kunden berichten von erheblichen Zeiteinsparungen und verbesserter Informationsverarbeitung‘, betont Schneider.“
Hackathon in St.Gallen: Ein Wochenende, das den Blick für öffentliche Daten schärfte
Am 1. und 2. Dezember 2023 nahmen Till Schneider, ein Freund und ich am 3. Open Data Hack St.Gallen teil. Der Hackathon dauerte 36 Stunden und fand im Leo&Co Coworking Space in St.Gallen statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Stadt St.Gallen, der OST – Ostschweizer Fachhochschule und weiteren Partnern.
Zehn Teams arbeiteten an acht Challenges mit Fokus auf öffentliche Verwaltung und offene Daten. Unser Ansatz war die Nutzung öffentlicher Datensätze zur Entwicklung praxisnaher Lösungen, ein Prinzip, das später auch in Memoro einfloss. Der Hackathon diente als Validierung unserer Fähigkeit, unter Zeitdruck und in interdisziplinären Teams Prototypen zu entwickeln.
Ich denke, der Hackathon bestätigte, dass offene Daten reale Probleme lösen können. Die Teilnahme unterstrich, wie wichtig strukturierte Datenquellen für die Entwicklung von KI-Anwendungen sind.
Projektleiter Nicola Wullschleger von der Stadt St.Gallen erklärte den Zweck des Hackathons:
„Wir wollen öffentliche Daten nicht nur bereitstellen, sondern auch nutzbar machen.“
Was diese Erfolge für mich bedeuten und warum sie mehr sind als nur Meilensteine
Die Erfolge mit Memoro, das Mindelsee-Stipendium, die Medienberichte, der Hackathon, waren keine Zufälle. Sie entstanden durch klare Problemdefinition und pragmatische Umsetzung. Das Stipendium validierte nicht nur die Idee, sondern auch den Ansatz, Technologie für Branchen mit hohem administrativen Aufwand nutzbar zu machen.
Die Berichterstattung in Medien wie dem Südkurier und Wirtschaft im Südwesten zeigte, dass Memoro als relevantes und innovatives Projekt wahrgenommen wurde. Der Hackathon in St.Gallen war ein wichtiger Schritt, um die Fähigkeit zu testen, unter realen Bedingungen Lösungen zu entwickeln. Die 1.500 Nutzer, die Memoro gewinnen konnte, belegen, dass die App ein reales Problem löst.
Für mich persönlich waren diese Erfahrungen eine Bestätigung meiner Arbeitsweise: Technik muss messbaren Nutzen stiften, sonst bleibt sie Selbstzweck. Die drei Säulen des Mindelsee-Stipendiums zeigen, wie regionale Förderung funktionieren kann:
- Monatliche Zuwendung (finanzielle Planungssicherheit)
- Sachmittelunterstützung (z. B. Cloud-Ressourcen, Hardware)
- Mentoring (Wissenstransfer durch erfahrene Unternehmer:innen)
Cite this article
Tobias Müller (2026): Das Mindelsee-Stipendium: 100.000 € für eine Idee, die Verwaltung entlastet. https://ispringen.dev
Lizenz: CC BY 4.0 – Bitte mit Namensnennung „Tobias Müller, ispringen.dev“.
Quellen